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Der Weg ins
Frauenhaus
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Mehr als ein Dach über dem Kopf

Gewalt gegen Frauen

Etwa jede vierte Frau, die in Deutschland lebt, ist mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch aktuelle oder frühere Partner geworden.Täter und Opfer finden sich in allen sozialen Schichten wieder, unabhängig vom Bildungsstand, Einkommen, Status, Kultur, Herkunft oder Alter. Frauen sind von häuslicher Gewalt mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte wie Körperverletzung mit Waffen, Wohnungseinbruch oder Raub (laut Studie Schrötter/Müller, Bielefeld 2008).

Formen der Gewalt

Gewalt hat viele Formen, viele Täter, viele Opfer. Die Formen der Gewalt beschränken sich nicht nur auf körperliche Gewalt. Gewalt beginnt im Kleinen – und oft mit Worten... Beschimpfungen, Beleidigungen, Erniedrigungen, Ausgrenzung. Worte können ebenso verletzend sein wie körperliche Gewalt!

Verschiedene Handlungsweisen, die alle dem Ziel dienen, das Selbstwertgefühl der Betroffenen zu beeinträchtigen.

  • Beleidigung
  • Demütigung
  • Verleumdung
  • Missachtung
  • Eifersucht
  • Zerstörung von Dingen

Führt zur finanziellen Abhängigkeit der Betroffenen. Der Zugang zum Geld wird zugeteilt oder auch als Mittel zur Belohnung und Bestrafung eingesetzt.

  • Verbot einer Arbeit oder Ausbildung
  • Ausnutzung der Frau als Arbeitskraft
  • Überhäufung mit Schulden
  • Vorenthalten des Haushaltsgeldes/ehelichen Einkommens
  • Verbot einen Sprachkurs zu besuchen

Grenzt Betroffene von ihrer jeweiligen Umwelt ab, indem der Kontakt zu Verwandten, Freunden und Bekannten sowie Freizeitaktivitäten unterbrochen oder verboten werden.

Als körperliche Gewalt gelten alle Angriffe auf die körperliche Unversehrtheiteiner Person. Körperliche Gewalt ist die Form von Gewalt, die in der Öffentlichkeit amhäufigsten wahrgenommen wird, da sie in der Regel am sichtbarsten ist.

  • An den Haaren ziehen
  • Schlagen, boxen, treten
  • Verbrennungen
  • Verätzungen
  • Würgen
  • Angriffe mit Messern oder anderen Gegenständen

Sexuelle Gewalt definiert jede aktive oder passive sexuelle Handlung, welche durch körperliche Gewalt, Drohungen oder durch Ausnutzen der Autorität der Betroffenen erzwungen wird.

  • Vergewaltigung
  • Obszöne Anrufe
  • Aufdringliche Bemerkungen auf sexueller Ebene
  • Unerwünschtes Berühren

Folgen der Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist meist kein einmaliges Ereignis, sondern ist eher mit einer Spirale zu vergleichen, die sich immer schneller bewegt und aus der es kein Entrinnen zu geben scheint.Die Gewalt hat vielfach – und dabei häufig erhebliche psychische, psychosoziale und gesundheitliche Folgen.

  • Angst, Sorge um die eigene Situation und die der Kinder
  • Gefühle der Verwundbarkeit, des Verlustes und des Betrogenseins
  • Verringertes Selbstwertgefühl
  • Selbstbeschuldigung
  • Alkohol- und Medikamentenmissbrauch
  • Posttraumatisches Stresssyndrom: gesteigerte Wachsamkeit, Übererregbarkeit (Sorge, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen), Wiedererleben des Traumas (flashback, Alpträume, Erstarren, in Ohnmacht fallen, unkontrollierte Reaktionen)
  • Depression
  • Verletzungen jeder Art und deren Folgen z.B. Verbrennungen, Schnitte, blaues Auge, Gehirnerschütterung, Knochenbrüche
  • Dauerschäden: irreversible Verletzungen an den Gelenken, teilweise Verlust des Hörvermögens und/oder des Augenlichtes, Narben durch Bissverletzungen, Narben durch Verbrennungen und/oder Schnitte
  • Kopfschmerzen
  • Chronische Schmerzsyndrome
  • Unterleibsschmerzen (akut oder chronisch)
  • Häufige vaginale Entzündungen
  • Vaginale oder rektale Verletzungen
  • Früh-, Fehl- und Totgeburten sowie Schwangerschaftskomplikationen
  • Geschlechtskrankheiten
  • Ungewollte Schwangerschaften
  • Soziale und familiäre Isolierung, der Verlust wichtiger Beziehungen und Freundschaften
  • Abwesenheiten bei der Arbeit
  • Verlust der Arbeit
  • Verlust des Lebensstandards

Das Leben im Frauenhaus

Wir bieten Frauen und ihren Kindern, die vor häuslicher Gewalt fliehen, eine geschützte Wohnmöglichkeit, Beratung und Begleitung.

Das Frauenhaus bietet Platz für Frauen mit ihren Kindern. Jede Frau, die zu uns kommt, bewohnt ein eigenes Zimmer. Die Räumlichkeiten verteilen sich auf zwei Etagen. Auf jeder Etage stehen voll ausgestattete Küchen, Wohn-, Ess- und Badezimmer zur gemeinschaftlichen Nutzung bereit. Das Haus verfügt über ein Spielzimmer, welches die Kinder des Hauses jederzeit nutzen können. Ein separater Spielbereich mit Kinderküche, Spielzimmer und Kreativraum zum Erholen, Lernen und Spielen wird mit den Mitarbeiterinnen gemeinsam genutzt.

Es steht den Bewohnerinnen und den Kindern ein geschützter Garten mit Kinderspielsachen/Kinderspielplatz zur Verfügung.

Jede Frau, die im Frauenhaus lebt, versorgt sich und ihre Kinder in eigener Verantwortung. Um jeder Frau im Frauenhaus den notwendigen Schutz, Sicherheit und das Zusammenleben zu organisieren, gibt es einiges, verbindliche Regeln. Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen besprechen in der wöchentlich stattfindenden Hausversammlung die Belange des Hauses und verteilen die Aufgaben der Hausgemeinschaft.

Das Zusammenleben mit anderen Frauen und Kindern, die Ähnliches erlebt haben, kann entlastend und unterstützend sein. Die Frauen können den Umgang mit Bedürfnissen, Erwartungen und Konflikten lernen.

Wir bieten gemeinsame Aktionen für die Bewohnerinnen und ihre Kinder wie z.B. schwimmen, reiten oder gemeinsame Zoobesuche in den Schulferien.

Kinder im Frauenhaus

Kinder sind immer mit betroffen, wenn die Mütter Opfer von häuslicher Gewalt werden

Kinder sind der häuslichen Gewalt ausgesetzt, in dem sie Gewalthandlungen unter den Eltern miterleben und in einer Atmosphäre von Gewalt und Demütigung aufwachsen. Sie werden Zeugen der Gewalttaten gegen ihre Mutter und leben deshalb in ständiger Angst, ihre Mutter zu verlieren. Kinder erfahren unter solchen Lebensumständen Familie nicht als Schutzraum. Das Miterleben der Gewalt zwischen den Erwachsenen ist in seinen Auswirkungen gleichbedeutend mit der Gewalttat gegen das Kind selbst. Auch wenn die Kinder nicht unmittelbar dabei sind, hören sie die Schreie und Beschimpfungen durch die Wand, spüren die Angst der Mutter und die Aggressivität des Täters.

Gewalterfahrungen führen häufig zu Traumatisierungen und bringen langfristige und gravierende Störungen in der Entwicklung hervor. Die Kinder zeigen beispielsweise Ängste, haben ein geringeres Selbstwertgefühl, sind hyperaktiv und unruhig oder können sich schlechter konzentrieren. In Beziehungen mit Gleichaltrigen im Kindsalter und in späteren Partnerschaftsbeziehungen zeigen sie weniger Fähigkeiten zu einer erfolgreichen Konfliktbewältigung. Sie zeigen eine größere Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt und ertragen eher aggressive Konfliktbewältigungsformen.

Mädchen bekommen keine positiven Identifikationsmöglichkeiten und erleben Ohnmacht-Gefühle in der weiblichen Rolle. Für diese Mädchen wird Gewalt zur Normalität.

Sie definieren die Opferrolle zur Weiblichkeit und die Männlichkeit definieren sie an der Dominanz und dem Täterverhalten. Diese Verinnerlichung prägt das spätere Gestalten der eigenen Paarbeziehung. Nicht selten werden Mädchen, die Gewalt erlebt haben, als Erwachsene Opfer und Jungen oft selbst zu Tätern.

Je früher der Gewaltkreislauf unterbrochen wird und qualifizierte Hilfsangebote in Anspruch genommen werden, desto größer sind die Chancen für Kinder, dass sie als Erwachsene ein eigenes gewaltfreies Leben führen.

Der Einzug ins Frauenhaus ist ein großer mutiger Schritt in eine gewaltfreie Zukunft!

Alle Kinder, die ins Frauenhaus kommen, haben unter der gewaltgeprägtenFamilienatmosphäre gelitten. Auch für Kinder ist der Umzug ins Frauenhaus ein Schritt ins Ungewisse. Sie verlieren ihr gewohntes Umfeld, müssen vielleicht die Schule oder den Kindergarten wechseln. Sie verlieren dadurch Freunde und Familienmitglieder.Gleichzeitig tragen Kinder schwer an den Erinnerungen und Gefühlen, die die Gewalt in ihnen verankert hat. Erfahrungen zeigen jedoch, dass sich Kinder schnell an die neue Situationen gewöhnen. Sie sind erleichtert, wenn sie im Frauenhaus erstmalig das Gefühl von Sicherheit und Verständnis für ihre Situation spüren. Nach dem bedrohlichen Leben zu Hause können die Kinder im sicheren Rahmen des Frauenhauses wieder einen Kinderalltag erleben.

Zuverlässigkeit, Schutz, Sicherheit und Vertrauen sind die Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung.

Den Kindern steht im Frauenhaus ein eigener Spielbereich zur Verfügung, in dem sie ihrem Alter entsprechende pädagogische Einzel- und Gruppenangebote wahrnehmen können. Jedes Kind hat eine eigene Ansprechpartnerin, die offen für Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse ist. Kinder bekommen im Frauenhaus individuelle Unterstützung, die Gewalterlebnisse im eigenen Tempo zu thematisieren und zu verarbeiten.

Wir bieten zudem Beratung für Mütter bei Erziehungsfragen, Fragen zum Sorge- und Umgangsrecht und allen Anliegen im Bezug auf die Kinder an. Wir unterstützen beispielsweise bei der Suche nach einem neuen Schul- oder Kindergartenplatz oder bei der Gestaltung eines neuen sozialen Umfeldes. Jungen können bis zum Alter von 14 Jahren aufgenommen werden. In dem Fall, dass auch ein älterer Sohn in der Familie gefährdet ist, hilft das Jugendamt bei der Vermittlung von weiteren Maßnahmen.

Nachgehende Beratung / Mittwochstreff

Auch nach dem Auszug aus dem Frauenhaus haben die Frauen die Möglichkeit sich an uns wenden zu können. Die Mitarbeiterinnen machen bei Bedarf Hausbesuche.

Ebenso besteht das Angebot der Beratung bei unserem regelmäßigen Mittwochstreff. Dieses Treffen ist für Frauen und ihre Kinder, die im Frauenhaus leben und gelebt haben. Die Treffen ermöglichen den weiteren Kontakt zu den Mitarbeiterinnen, andere Frauen kennen zu lernen, die ebenfalls Gewalt erlebt haben, sich untereinander auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Für die Mädchen und Jungen steht in dieser Zeit eine pädagogische Betreuung zur Verfügung. Auch Kinder haben bei diesem Treffen die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu den Mitarbeiterinnen, zu Freunden/innen und sie haben bei Problemen eine vertraute Ansprechpartnerin.